Die Bevölkerungsentwicklung macht private Rentenversicherung zur Pflicht
Eine der wesentlichen Säulen des deutschen Sozialstaats ist die sogenannte Generationengerechtigkeit. Dies bedeutet, die jüngeren Arbeitnehmer kommen in einem Umlage-finanzierten Verfahren für die Altersbezüge der Rentner auf. Doch dieses System steht aufgrund der Bevölkerungsentwicklung kurz vor dem Aus. Kamen 1960 noch einhundert 100 Beitragszahler für etwa 30 Rentner auf, sind es aktuell mehr als 60 Rentner. Die Prognosen sagen, das 2040 die Schallmauer durchbrochen wird: In diesem Jahr soll es erstmals mehr Rentner als Beitragszahler geben.
Welche Funktion hat die Bevölkerungsentwicklung (Demographie) für die Rente?
Jeder deutsche Arbeitnehmer hat Anspruch auf gesetzliche Altersbezüge. Allerdings funktioniert diese nicht in einem System einer autonomen Versicherung (man bekommt seine eigenen Beiträge ausbezahlt), sondern wie erwähnt über ein Umlageverfahren. Eine vereinfachte Erklärungsweise des zuständigen Bundesarbeitsministeriums lautet: Kinder zahlen für ihre Eltern.
Die Demographie spielt also eine entscheidende Rolle: Je mehr Menschen es gibt, die arbeiten und in die Rentenkasse einzahlen, desto mehr Geld bekommt jeder einzelne Rentner. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Demographie seit Jahren rückläufig ist: Eine Frau bekommt hierzulande durchschnittlich 1,38 Kinder. Auch die Zuwanderung gleicht dieses Verlust nicht mehr aus. Tatsächlich wandern jährlich mehr Menschen aus als ein. Zeitgleich werden die Rentner aufgrund des medizinischen Fortschritts immer älter. Ein Rentner bezieht heute etwa zwanzig Jahre seine Altersbezüge. Als das System eingeführt wurde, gingen die Schöpfer von drei bis vier Jahren Auszahlungsdauer aus. Die Konsequenz ist: Eine immer kleiner werdende Gruppe von Beitragszahlern muss immer länger für stetig mehr Rentner aufkommen.
Vor- und Nachteile des Einflusses der Bevölkerungsentwicklung auf die Rente
Der größte Nachteil, der sich aus diesen Problemen ergibt, ist offenkundig: Den Deutschen droht eine gewaltige Altersarmut, da die gesetzlichen Altersbezüge immer geringer werden. Allerdings haben diese drastischen Zahlen Politik und Gesellschaft für diese Gefahr sensibilisiert. Die Regierung setzte das Renteneintrittsalter in die Höhe (um auf diese Weise die Rentenbezugsdauer zu verkürzen) und begann mehrere Projekte, welche die Menschen dazu animieren sollten, private Rentenversicherungen abzuschließen. Das berühmteste Beispiel ist die Riester Rente.
Aber auch die Wirtschaft hat reagiert. So gibt es mittlerweile zahlreiche Angebote, privat vorzusorgen, um sich auf diese Weise vor den Problemen, vor denen die gesetzliche Rentenversicherung steht, zu schützen. Die dramatische demographische Entwicklung könnte deshalb zumindest insofern als vorteilhaft gesehen werden, dass sie die Menschen dazu gezwungen hat zu handeln.